Vom Kanzler bis zur Ministerin: Politikerinnen und Politiker auf deutschen Gedenkmünzen
Mit der Ausgabe der 2-Euro-Gedenkmünze „Konrad Adenauer“ (Serie: Einigkeit und Recht und Freiheit) am 8. Januar 2026 rückt ein besonderes Kapitel der deutschen Numismatik in den Fokus: die Darstellung politischer Persönlichkeiten auf Münzen. Während in Monarchien traditionell der amtierende Herrscher oder die Herrscherin das Münzbild prägt, wurde und wird diese Form der Ehrung in Deutschland eher zurückhaltend eingesetzt – und schon gar nicht während der laufenden Amtszeit, sondern ausschließlich posthum. Gerade deshalb besitzen jene Ausgaben, die Politikerinnen und Politikern gewidmet sind, eine besondere historische Bedeutung. Sie stehen nicht nur für die persönliche Amts- und Lebensleistung der betreffenden Staatsmänner und -frauen, sondern auch für die Verantwortung und demokratischen Werte des Staates.
Historische Wegmarken der Politik im Jahresprogramm der Münze Deutschland
Das Jahresprogramm 2026 der Münze Deutschland nimmt in dieser Hinsicht eine Sonderstellung ein: Gleich drei Gedenk- bzw. Sammlermünzen greifen politische Themen auf und spannen dabei einen Bogen von der frühen Bundesrepublik bis hin zur europäischen Verständigung.
Mit Konrad Adenauer, dem ersten Bundeskanzler, wird eine der prägenden Figuren des westdeutschen Neuanfangs gewürdigt. Für Sammlerinnen und Sammler ist das ein Wiedersehen: Adenauer war sowohl zwischen 1969 und 1987 auf der 2-DM-Umlaufmünze präsent als auch gemeinsam mit Charles de Gaulle auf der deutsch-französischen 2-Euro-Münze zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags (2013).
35-Euro-Silbermünze Friedensnobelpreis für Gustav Stresemann und Aristide Briand
35-Euro-Silbermünze Elisabeth Schwarzhaupt
Ergänzt wird das Programm der Münze Deutschland 2026 durch eine Ausgabe für Elisabeth Schwarzhaupt, die als erste Bundesministerin Deutschlands einen wichtigen gesellschaftspolitischen Meilenstein markiert und erstmals im Rahmen der Serie „Prägende Frauen“ auf einer Sammlermünze zu sehen ist. Die dritte Ausgabe am 22. Oktober erinnert an den gemeinsamen Friedensnobelpreis für Gustav Stresemann und Aristide Briand vor 100 Jahren und setzt damit bewusst ein Signal für die Stabilität deutsch-französischer Beziehungen. Auch hier zeigt sich numismatische Kontinuität, denn Stresemann wurde bereits 1978 mit einer 5-DM-Gedenkmünze geehrt.
2-Euro-Gedenkmünze „50 Jahre Élysée-Vertrag"
5-DM-Gedenkmünze Gustav Stresemann
Portraits auf Münzen: Eine lange Tradition
10-Euro-Sammlermünze Otto von Bismarck
2-Euro-Gedenkmünze Helmut Schmidt
2-Euro-Gedenkmünze „50 Jahre Kniefall von Warschau“
Auch vor 2026 hatte die Bundesrepublik bereits einzelne Politiker auf Euromünzen gewürdigt. So erinnert eine 2015 ausgegebene 10-Euro-Sammlermünze an Otto von Bismarck, die Reichsgründung und die politische Architektur des 19. Jahrhunderts.
Vielen Sammlerinnen und Sammlern präsent sind auch die 2-Euro-Gedenkmünze für Helmut Schmidt aus dem Jahr 2018 sowie die 2-Euro-Münze, die anlässlich des 50. Jahrestages von Willy Brandts Kniefalls von Warschau ausgegeben wurde. Noch stärker im Alltagsbewusstsein verankert sind Politiker auf den 2-DM-Münzen, die über Jahrzehnte im Umlauf waren. Namen wie Konrad Adenauer, Theodor Heuss, Kurt Schumacher, Ludwig Erhard, Franz Josef Strauß und Willy Brandt waren tägliche Begleiter im Portemonnaie für Millionen von Menschen. Ergänzt wurde dieses Bild durch 5-DM-Gedenkmünzen, etwa für Friedrich Ebert im Jahr 1975.
2-DM-Umlaufmünze Konrad Adenauer
2-DM-Umlaufmünze Ludwig Erhard
2-DM-Umlaufmünze Theodor Heuss
2-DM-Umlaufmünze Kurt Schumacher
2-DM-Umlaufmünze Franz Josef Strauß
DDR und Weimarer Republik
Einen deutlich anderen Umgang mit politischen Personen pflegte die DDR. Persönlichkeiten wie Karl Liebknecht, Ernst Thälmann, August Bebel oder Clara Zetkin stehen für das damalige staatliche Geschichtsverständnis.
In der Weimarer Republik waren zwei Politiker auf Münzen präsent: Die Münze zum Jubiläum „10 Jahre Weimarer Verfassung“ von 1929 zeigt den damals amtierenden Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. 1931 gab es zudem eine Ausgabe für den preußischen Reformpolitiker Freiherr vom Stein.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der 1934 verstorbene Reichstagspräsident Reichspräsident Paul von Hindenburg auf den Umlaufmünzen zu fünf Mark im Jahr 1935 und 1936 abgebildet, ab 1936 und bis 1939 auch mit dem Nationalsozialistischen Adler und Hakenkreuz. Bereits projektierte Münzen mit der Abbildung Hitlers wurden nie realisiert.
5-RM-Umlaufmünze Paul von Hindenburg
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