Numismatische Neuheit: Reliefsignatur bringt Sicherheit und Sonderinhalte
Sicherheit beim Münzenkauf ist heute wichtiger denn je. Denn: Moderne Fälschungen werden technisch immer ausgefeilter, Oberflächen, Reliefs und selbst Materialeigenschaften lassen sich mit zunehmender Präzision imitieren. Gerade bei hochwertigen Sammler- und Anlagemünzen wächst deshalb das Bedürfnis nach verlässlichen, dauerhaft überprüfbaren Echtheitsmerkmalen. Vorhang auf für eine Innovation aus Deutschland, die das klassische Medium Münze erstmals konsequent in die digitale Welt verlängert – die so genannte „Reliefsignatur“.
Das Bundesfinanzministerium setzt dafür auf die in Deutschland entwickelte „AuVerIn“-Technologie – diese Abkürzung steht für „Authentication“, „Verification“ und „Information“. Es handelt sich um ein Verfahren, bei dem eine nahezu unsichtbare Codierung direkt in das Münzrelief integriert wird. Die Signatur ist kein aufgesetzter Chip, kein NFC-Element und keine sichtbare Markierung, sondern natürlicher Bestandteil der Münze. Es handelt sich um ein einzigartiges Sicherheitsmerkmal, das die Echtheit der Münze eindeutig nachweisen kann.
Die Besonderheit: Die Münze bleibt ein rein analoges Objekt, erhält aber eine digitale Identität in Form der Reliefsignatur. Über eine kostenfreie App kann die Codierung mit der Kamera eines Smartphones ausgelesen werden. Dadurch enthält die Prägung einen Schlüssel zum digitalen Echtheitszertifikat oder zu exklusiven digitalen Inhalten – je nach Ausgestaltung durch den Emittenten.
Premiere auf der WMF 2026: Eine weltweite Innovation
Bei der Technologie handelt es sich um eine patentierte deutsche Entwicklung, die im Vorfeld ausgiebig in den Prägestätten getestet wurde, um den hohen Ansprüchen an Praxistauglichkeit und Verlässlichkeit gerecht zu werden.
Die Polymerringmünze „Planet Erde“ aus dem Jahr 2016
Die 100-Euro-Goldmünze „Judenbuche“ ist die erste Münze, die mit der neuen Reliefsignatur ausgegeben wird.
Drei strategische Chancen aus numismatischer Sicht
Das Bundesverwaltungsamt hat im Zusammenhang mit der Reliefsignatur drei zentrale Einsatzfelder identifiziert, die auch numismatisch von Bedeutung sind.- Echtheitszertifikate: Gerade bei Goldmünzen schafft die Reliefsignatur zusätzliches Vertrauen. Das digitale Echtheitszertifikat ist untrennbar mit der Münze verbunden und nicht kopierbar, da die Codierung Teil des Prägestempels ist. Im Unterschied zu physischen Zertifikaten oder Beipackzetteln bleibt der Echtheitsnachweis dauerhaft mit dem Objekt verknüpft – ein klarer Vorteil bei Wiederverkäufen und im Sekundärmarkt, insbesondere in Zeiten hoher Goldpreise.
- Digitale Erlebniswelten für Sammler: Die Reliefsignatur eröffnet neue Möglichkeiten der Vermittlung von Inhalten. Statt statischer Informationen auf Verpackungen können dynamische, aktualisierbare Inhalte hinterlegt werden – etwa Hintergrundgeschichten, Videos, Zusatzinformationen oder Sammlerfeatures. Die neue Weihnachtsserie zeigt exemplarisch, wie dadurch eine klassische Gedenkmünze inhaltlich aufgewertet werden kann.
- Innovation „Made in Germany“: Numismatisch besonders relevant ist der Innovationscharakter selbst. Die Reliefsignatur ist kein Marketing-Gimmick, sondern eine neue technische Ebene, die über das physische Produkt hinausgeht. Damit setzt die Bundesrepublik wieder einmal einen technologischen Impuls im Sammlermünzbereich – mit Strahlkraft über die klassischen Sammlerkreise hinaus.
Münzsicherheit – damals und heute
Historisch betrachtet war Münzsicherheit immer eng mit sichtbaren Merkmalen verbunden – vom Münzrand über Prägezeichen bis hin zu komplexen Reliefstrukturen. Auch international waren in den letzten Jahren zahlreiche Innovationen zu beobachten, um die Fälschungssicherheit von Münzen zu verbessern. Die relevantesten Ansätze lassen sich grob in die Kategorien „maschinenlesbare Authentifizierung“, „optisch überprüfbare Hightech-Merkmale“ und „konstruktive Detailänderungen“ einteilen.
Die kanadische Münzprägeanstalt Royal Canadian Mint hat für ihre Maple-Leaf-Münzen ein besonderes Sicherheitsmerkmal namens „Bullion DNA“ entwickelt. Damit lässt sich prüfen, ob eine Münze echt ist. Je nach Ausführung kann dafür ein spezielles Prüfgerät verwendet werden, das die Münze eindeutig erkennt. Dazu wird bei der Herstellung jeder Münzserie ein winziges, eingraviertes Sicherheitszeichen angebracht. Es befindet sich in einem fein strukturierten Bereich des Ahornblatts. Dieses Detail ist mit bloßem Auge kaum zu sehen und wird erst bei starker Vergrößerung erkennbar. Dadurch wird es für Fälscher sehr schwierig, die Münzen zu kopieren.
Die Royal Mint hat ihre „Britannia“ als „visuell sichere“ Bullionmünze weiterentwickelt und mit einem Bündel aus vier, ohne Hilfsmittel überprüfbaren Merkmalen ausgestattet: Ein „Latent Image“ genannter „hologrammartiger“ Effekt, die Surface Animation, bei der Mikrodetails beim Bewegen eine „Wellenbewegung“ im Hintergrund erzeugen, eine umlaufende Mikro-Schrift und schließlich die „Tincture-Lines“, eine schwer zu fälschende Linienstruktur.
Die United States Mint setzt seit 2021 eine so genannte „Reeded Edge Variation“ bei den American-Eagle-Anlagemünzen ein: eine gezielte Änderung der Rändelung/Teilung der geriffelten Kante als „Enhanced Security Feature“. Das ist zwar kein spektakuläres Merkmal, aber in der Praxis sinnvoll, weil es in den Prägeprozess integriert ist und Fälschungen zusätzliche Präzision abverlangt.
Im Gegensatz zu den bisher bekannten Sicherheitsmerkmalen markiert die Reliefsignatur einen Bruch und zugleich eine Fortführung der Tradition, Merkmale in die Münze zu integrieren, mit der Münzensammler zusätzliche Sicherheit beim Kauf haben und sich gegen Fälschungen schützen können: Die Sicherheit bleibt in der Prägung verankert, wird aber um eine digitale Dimension ergänzt.
Damit reiht sich die Reliefsignatur in eine Entwicklung ein, die man als Hybridisierung der Numismatik bezeichnen kann. Die Münze bleibt Kulturgut, Zahlungsmittel und Sammlerobjekt – erhält aber zusätzlich eine digitale Identität, die neue Formen von Vertrauen, Dokumentation und Interaktion ermöglicht. Angesichts immer besserer Fälschungen und wachsender Anforderungen an Transparenz und Nachvollziehbarkeit adressiert die Technologie ein reales Problem. Für Sammler, Investoren und Emittenten eröffnet sich damit ein neues Kapitel – eines, in dem Tradition und digitale Innovation nicht im Widerspruch stehen, sondern sich sinnvoll ergänzen.
Die Königreiche Bayern, Sachsen, Württemberg und die Großherzogtümer Baden und Hessen sowie die Freie und Hansestadt Hamburg stellten jeweils eine Münzstätte (D, E, F, G, H und J), der Buchstabe „I“ blieb frei. Auch später, zur Zeit des Dritten Reiches, behielt man dieses System bei und reaktivierte bei Bedarf freie Buchstaben: So wurde z.B. „B“ in den Jahren 1938–1945 an die Münzprägestätte Wien vergeben (nachdem Wien durch den „Anschluss“ Teil des Reichs geworden war).
Mit diesem Münzbuchstabensystem hatten Deutschland und seine Vorgängerstaaten ein klares Ordnungsprinzip geschaffen, das – von politischen Umbrüchen abgesehen – bis heute Gültigkeit besitzt. Noch immer tragen deutsche Euro-Münzen die Buchstaben A, D, F, G oder J entsprechend der fünf aktiven staatlichen Münzprägestätten (Berlin, München, Stuttgart, Karlsruhe, Hamburg). Damit knüpft man an eine über 150-jährige Tradition an, die auf die Reformen des 19. Jahrhunderts zurückgeht. Münzzeichen sind somit ein lebendiges Stück der Geldgeschichte in unseren Händen.