Mehr als ein Buchstabe: Was Symbole und Signaturen auf Münzen wirklich verraten
Münzen tragen weit mehr Informationen, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Neben Nennwert und Motiv finden sich auf vielen Geldstücken zusätzliche Zeichen, Buchstaben oder Symbole, deren Bedeutung selbst erfahrenen Sammlern nicht immer geläufig ist. Münzzeichen, Münzmeisterzeichen, Künstlersignaturen, Länderabkürzungen und sogenannte Privy Marks erfüllen jeweils unterschiedliche Funktionen – von der Kennzeichnung der Prägestätte über die Zuordnung von Verantwortung bis hin zur Unterscheidung spezieller Ausgaben. Wer diese Details zu lesen versteht, gewinnt einen tieferen Einblick in Entstehung, Geschichte und Systematik der Münzprägung.
Münzmeisterzeichen: Detail mit Tradition
In vielen Ländern sind zusätzlich zum Münzzeichen noch winzige Symbole oder Initialen eingeprägt, die für den Münzmeister oder Münzdirektor stehen, also die für die Prägung verantwortliche Person. Diese Tradition stammt aus früheren Jahrhunderten und wird mancherorts bis heute gepflegt. Ein Beispiel ist Frankreich: Auf französischen Münzen befindet sich seit dem 19. Jahrhundert stets neben dem eigentlichen Münzstättenzeichen (etwa dem Buchstaben A für Paris) noch das Zeichen des Münzdirektors sowie das des Chef-Graveurs der staatlichen französischen Münzprägeanstalt „Monnaie de Paris“. So trugen z.B. französische Centimes um 1900 drei Zeichen: ein A (Paris) in der Mitte, flankiert links und rechts von je einem Symbol – etwa einem Füllhorn und einem Bündel aus hölzernen Ruten, dem sogenannten Fasces- Bündel. Das Füllhorn war (und ist bis heute) das Münzzeichen der Pariser Münze, während das andere Symbol den jeweiligen Münzmeister oder Graveur kennzeichnete.
Münzmeisterzeichen auf niederländischen Euromünzen
Das erste Bild der Münzmeisterzeichen links oben zeigt Pfeil und Bogen (1999) von Münzmeister Chris van Draanen sowie den Merkurstab als Münzzeichen der Royal Dutch Mint. Im Jahr 2000 wurde das Münzmeisterzeichen mit einem Stern ergänzt (Bild 2), um die Vakanz auf dem Posten des Münzmeisters zu signalisieren. Es folgte eine fruchttragende Weinranke (2001, Bild 3) unter dem neuen Münzmeister Robert Bruens und mit Stern während der Vakanz unter Maarten Brouwer (2002, Bild 4). Ab 2003 und bis 2015 verwendete Brouwer sein eigenes Münzzeichen, ein Segel des Dreimastklippers „Nederland“ (Bild 5, 2. Reihe links unten). In den Jahren 2016 und 2017 war das Amt des Münzmeisters erneut vakant (Bild 6). Von 2018 bis 2021 war die Sankt-Servatusbrücke von Stephan Satijn zu sehen (Bild 7) und seit 2022 wird der Rabe des amtierenden Münzmeisters Bert van Ravenswaaij verwendet (Bild 8).
Die Niederlande haben eine vergleichbare Praxis: Hier erscheint auf Münzen traditionell der Merkurstab (Caduceus) als festes Münzzeichen für die königliche Münze in Utrecht, begleitet von einem kleinen Privatsymbol des Münzmeisters. So hatte z.B. der niederländische Münzmeister Johannes van Hengel von 1945 bis 1969 einen Fisch als Zeichen (sein Name bedeutet auf Niederländisch „Angelrute“) – folglich tragen Gulden jener Jahre neben dem Caduceus einen winzigen Fisch.
Diese Münzmeister- und Direktorenzeichen sind also persönliche Prüfmarken, die ursprünglich der Qualitätskontrolle und Verantwortlichkeitszuordnung dienten. Für uns Sammler erzählen sie eine zusätzliche Geschichte: Sie lassen auf den Jahrgang der Prägung und die Ära eines bestimmten Münzmeisters schließen.
Eine Münze, drei Versionen: Die 2-Euro-Gedenkmünze "Tarxien-Tempel" aus Malta ist in der Normalprägung ohne Symbole, in der Coincard mit dem Füllhorn der Monnaie de Paris sowie dem Münzmeisterzeichen von Joaquin Jimenez (Mitte) und im Kursmünzensatz mit einem "F" für "France" produziert worden. Auf allen drei Varianten sind zudem die Initialen des Münzdesigners Noel Galea Bason (NGB) zu finden (nicht im Bild).
Künstlersignaturen: Hier verewigen sich Gestalter
Oft finden sich auf Münzen kleine Buchstaben, die weder Münz- noch Münzmeisterzeichen sind – dabei handelt es sich meist um die Signatur des Münzgestalters. Münzgraveure bzw. Künstler verewigen ihre Urheberschaft traditionell in Form kleiner Initialen oder Symbole im Münzdesign. So tragen z.B. die deutschen Euro-Gedenkmünzen die Initialen des jeweiligen Künstlers dezent am Rand des Motivs. Diese Signaturen sind oftmals so unauffällig platziert, dass sie leicht übersehen werden, aber sie erfüllen den Zweck einer künstlerischen Urheberkennzeichnung. Wichtig ist, sie nicht mit dem Münzzeichen zu verwechseln: Während die Künstlersignatur Auskunft über den Designer gibt, sagt sie nichts über die Prägestätte aus.
Griechische 2-Euro-Münzen des Jahrgangs 2002 weisen bis zu 3 Zeichen auf: Das Signet des Münzdesigners Georgios Stamatopoulos (links), das Anthemion (eine stilisierte Blume) als Symbol der griechischen Münzanstalt (oben rechts) und ein "S" im Stern auf allen Münzen, die in der Mint of Finland in Helsinki geprägt wurden.
Die Deutsche 2-Euro-Gedenkmünze "Bremen" aus 2026 zeigt die Künstlersignatur "BB" des Münzgestalters Bodo Broschat.
Nationale Identität: die Länderzeichen
Wichtig: Beim doppelten „D“ auf deutschen 2-Euro-Gedenkmünzen handelt es sich nicht um eine Fehlprägung. Ein „D“ steht für das Ausgabeland Deutschland, das zweite „D“ ist das Münzzeichen des Bayerischen Hauptmünzamtes München.
Insbesondere im Zeitalter gemeinsamer Währungen (wie dem Euro) oder bei Gedenkmünzen internationaler Organisationen findet man auf Münzen auch Abkürzungen des Ausgabelandes. So sorgt beispielsweise auf den deutschen 2-Euro-Gedenkmünzen seit einigen Jahren ein zweites „D“ gelegentlich für Verwirrung – besonders auffällig ist dies auf Münzen aus München, die als Zeichen des Bayerischen Hauptmünzamtes bereits das Münzzeichen „D“ tragen.
Ein ähnliches Phänomen ist auf den griechischen Euromünzen des Jahres 2002 zu beobachten: Nachdem sich die Griechen bei der Produktion ihrer Erstausstattung für den Euro-Geldumlauf von anderen Prägestätten helfen ließen, ist auf einem Teil des Jahrgangs 2002 in einem der Europa-Sterne ein Buchstaben versteckt – entweder „E“ für „Espana“ (also Spanien), „F“ für „France“ (also Frankreich) oder „S“ für „Suomi“ (also Finnland“).
Das Besondere betonen: Privy Marks
Insbesondere im Bereich der modernen Anlagemünzen wird gelegentlich ein Zeichen eingesetzt, um eine Spezialprägung von der Normalprägung zu unterscheiden. So hat Australien beispielsweise in den vergangenen Jahren wiederholt „Privy Marks“ eingesetzt, um nach dem Erreichen der maximalen Prägemenge seiner Lunar-Silbermünzen eine separate Auflage produzieren zu können oder besondere Ereignisse wie die „World Money Fair“ in Berlin mit einer Sonderausgabe zu würdigen.
Die Perth Mint aus Australien hat in der Vergangenheit neben der Normalprägung ihrer Lunar-Münzen (links) auch Varianten mit „Privy Marks“ (hier ein Löwe auf einer Münze zum Jahr des Drachen) ausgegeben.
Abschließend wird deutlich: Eine Münze weist viel mehr Details auf als nur den Nennwert und das Bildmotiv. Die kleinen Münzzeichen und anderen Symbole sind wesentliche Details, die vom „Wo“, „Wann“ und „Wer“ der Prägung erzählen. Für den Alltagsnutzer mögen A, D, F, G, J oder ein winziges Füllhorn unbedeutend erscheinen – für Numismatiker und Historiker hingegen öffnen sie ein Fenster in die Vergangenheit und die Produktionsgeschichte der Geldstücke. Ein Münzzeichen kann auf einen berühmten Münzmeister hinweisen, eine historische Münzstätte lebendig halten oder schlicht gewährleisten, dass die Qualität der Münze einst nachvollzogen werden konnte. Es lohnt sich also, bei der nächsten Münze im Wechselgeld genauer hinzuschauen: Die versteckten Botschaften der Münzzeichen machen das Sammeln und Betrachten von Münzen umso spannender.
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