Collage mit dem Foto eines Rettungshubschraubereinsatzes sowie der 10-Euro-Polymerringmünze „Rettungsdienste“

Wie lange arbeiten Sie schon im Rettungsdienst – und was hat Sie ursprünglich motiviert, diesen Weg einzuschlagen?

Im Rettungsdienst bin ich seit 2002, also inzwischen über zwanzig Jahre. Der Einstieg war damals eng mit meinem Zivildienst verbunden. Ich wusste früh, dass der Wehrdienst für mich nicht infrage kam, aber ich wollte unbedingt einen sinnvollen Ersatzdienst leisten. Da ich schon in meiner Jugend im Jugendrotkreuz aktiv war, lag der Schritt in den Rettungsdienst nahe. Ich war damals eigentlich nur für ein Jahr eingeplant – aber ich bin geblieben, weil mich die Arbeit sofort gepackt hat. Die Luftrettung kam erst viel später dazu. Dort arbeite ich seit 2022, aktiv fliege ich seit 2023. Interessanterweise war es gar nicht meine Idee, diesen Schritt zu gehen. Kollegen sprachen mich an und meinten, ich wäre dafür geeignet. Das hat mich erst überrascht, doch je länger ich darüber nachdachte, desto mehr gefiel mir der Gedanke. Heute bin ich sehr froh darüber, weil es noch einmal eine ganz andere Dimension von Rettungsdienst ist.

Rettungssanitäter Benjamin Lindner aus Münster (Foto: ADAC) Rettungssanitäter Benjamin Lindner aus Münster (Foto: ADAC)

Wie viele Einsätze haben Sie im Durchschnitt pro Tag?

Das ist beinahe unmöglich zu pauschalisieren. Jeder Dienst ist anders. Es gibt Tage, an denen wir sieben Einsätze fliegen – und das können sowohl Primäreinsätze (also Notfalleinsätze) als auch Verlegungen von Intensivpatienten sein. An anderen Tagen passiert gar nichts. Und manchmal ist es genau ein Einsatz, der dann allerdings stundenlang dauert, etwa weil wir Patienten über große Distanzen verlegen. Die Luftrettung folgt keinem vorgegebenen Rhythmus.

Also ist jeder Tag anders?

Auf jeden Fall. Genau das macht den Job auch so besonders. Natürlich haben wir Algorithmen und Einsatzstrukturen, die klar vorgeben, was in welcher Situation zu tun ist. Diese Standards sind wichtig, weil sie Sicherheit geben und Fehler vermeiden. Aber darüber hinaus muss man viel improvisieren können. Einsätze folgen keiner Schablone.

Welche Fähigkeiten sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig?

Neben der medizinischen Kompetenz braucht es vor allem Soft Skills. Kommunikation ist vielleicht das Wichtigste überhaupt – und gleichzeitig etwas, das leider nicht allen leichtfällt. Ich habe in den letzten zwanzig Jahren erlebt, dass sich das deutlich verbessert hat, aber es gibt nach wie vor Entwicklungspotenzial. Man sollte außerdem reflektionsfähig sein. Feedback annehmen, sich hinterfragen, Dinge sachlich betrachten – gerade in einem Beruf, in dem Stress und Zeitdruck permanent eine Rolle spielen. Menschlichkeit, Ruhe und die Fähigkeit, sich auf andere einzulassen, sind grundlegende Voraussetzungen.

Wie wichtig ist Teamarbeit für Sie?

Teamarbeit ist absolut entscheidend. Ein gutes Team zeichnet sich nicht dadurch aus, dass alle immer einer Meinung sind. Im Gegenteil: Es muss möglich sein, Dinge offen anzusprechen – auch unangenehme. Nur so entwickelt man sich weiter. Ich finde es wichtig, dass Kritik sachlich bleibt und nicht persönlich wird. Wenn man in einem Team arbeitet, in dem Offenheit und Transparenz gelebt werden, steigert das sowohl die Sicherheit als auch die Freude an der Arbeit.

Hat sich der Job im Laufe der Jahre verändert?

Der Umgangston draußen ist rauer geworden. Ich habe in einer Großstadt gearbeitet und dort tatsächlich körperliche Übergriffe erlebt – nichts Lebensgefährliches, aber genug, um mich zwei Wochen außer Gefecht zu setzen. Solche Situationen sind nicht die Regel, aber sie kommen vor. Da hilft vor allem eines: Reden. Deeskalation ist ein riesiger Bestandteil unserer Arbeit. Manchmal kann man durch ruhige Worte Situationen entschärfen, die auf den ersten Blick bedrohlich wirken. Wichtig ist dabei: Autorität ja, aber nicht Überheblichkeit. Mit Freundlichkeit und Kommunikation auf Augenhöhe kommt man oft viel weiter.

Wenn Sie an einem Einsatzort eintreffen – worauf achten Sie als Erstes?

Sicherheit. Ausnahmslos. Beim Hubschrauber heißt das vor allem: Niemand darf unkontrolliert auf die Maschine zugehen. Aber auch am Unfallort gilt: Ich prüfe sofort, ob der Ort sicher ist. Steht das Fahrzeug stabil? Gibt es Stromleitungen, Feuer, herannahenden Verkehr? Ist der Patient weiterhin gefährdet? Ohne sichere Umgebung können wir nicht arbeiten. Diese Sicherheitswahrnehmung muss man ständig schärfen.

Was sollten Menschen tun – oder nicht tun –, wenn sie als Ersthelfer zu einem Unfall kommen?

Das einzig Falsche ist, nichts zu tun. Viele Menschen haben Angst, etwas falsch zu machen. Aber der größte Fehler ist Passivität. Der erste Schritt ist immer: die 112 wählen. Die Leitstelle begleitet Laien inzwischen hervorragend durch die notwendigen Maßnahmen. Wenn jemand nicht atmet, sagen die Disponenten Schritt für Schritt, wie man drücken soll. Und für viele Situationen reicht es auch aus, einfach bei der betroffenen Person zu bleiben und beruhigend zu sprechen. Jede Hilfe ist besser als gar keine. Ein Erste-Hilfe-Kurs ist übrigens nie verschwendet – das nimmt Hemmungen und gibt Sicherheit.

Wie halten Sie sich körperlich und mental fit?

Sport ist für mich ein wichtiger Ausgleich, gerade weil die Arbeit körperlich wie mental fordernd sein kann. Aber genauso wichtig ist das Gespräch. Wenn etwas belastet, rede ich darüber. Wir haben zum Glück ein gutes Netz aus vertraulichen Ansprechpartnern – sowohl professionell als auch im Kollegenkreis. In meinen frühen Jahren war das anders. Da wurde oft gesagt: „Wer das nicht abkann, ist hier falsch.“ Heute hat sich viel getan. Es ist keine Schwäche, Unterstützung zu suchen. Es ist ein Zeichen von Professionalität.

Gibt Ihnen Ihre Arbeit etwas zurück?

Ja, sehr. Ich gehe gerne zur Arbeit. Natürlich muss ich meinen Lebensunterhalt verdienen – aber der Job bedeutet mir mehr als das. Er gibt mir das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.

Würden Sie jungen Menschen empfehlen, in den Rettungsdienst zu gehen?

Ich würde niemandem aktiv davon abraten – aber ich würde es auch nicht bedingungslos empfehlen. Der Job ist fordernd, körperlich wie psychisch. Man muss das aus Überzeugung machen. Mein Rat lautet daher: Erst einmal reinschnuppern. Ehrenamtlich im Sanitätsdienst, bei Hilfsorganisationen wie DRK, Malteser oder Johanniter. Dort erlebt man die Arbeit in einem geschützten Rahmen. Wenn man merkt: „Das liegt mir, das erfüllt mich“ – dann kann man den nächsten Schritt gehen. Der Rettungsdienst ist kein Beruf, in den man „aus Versehen“ hineingeht. Aber wenn man ihn wirklich will, kann er sehr erfüllend sein.

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