Die „Big Six“ der Numismatik
Münzen sind kleine Kunstwerke, und zugleich verdichtete Geschichte zum Anfassen. Sie erzählen von Herrscherinnen, Herrschern und Imperien, von wirtschaftlicher Blüte ebenso wie von Krisen und Reformen. Manche Menschen nehmen Münzen in erster Linie zum Bezahlen in die Hand – für andere sind Münzen inspirierende Sammler- und Erinnerungsstücke. Dass etwas Faszinierendes von Münzen ausgeht, ist ohne Zweifel: Denn sonst gäbe es wohl keine berühmten Münzsammlungen, die Menschen aus aller Welt anziehen und das Staunen lehren. Wir stellen Ihnen in diesem Beitrag besondere Sammlungen vor.
1. Das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin
Das Bode-Museum im Berliner Stadtbezirk Mitte ist Teil der Museumsinsel und gehört damit zum Weltkulturerbe der UNESCO. Im Bode-Museum findet sich mit dem Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin eine der bedeutendsten numismatischen Sammlungen Europas: Die Sammlung umfasst rund eine halbe Million Objekte, von denen mehr als 5.000 Münzen und Medaillen ausgestellt sind.
Das Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel.
Seit 2011 präsentiert außerdem das Münzkabinett im Alten Museum eine Dauerausstellung antiker Münzen. Dort werden mehr als 1.400 herausragende Exemplare gezeigt, die inhaltlich mit Objekten der Antikensammlung kombiniert sind. Darüber hinaus ist die Sammlung auch im Neuen Museum sowie im Pergamonmuseum mit ausgewählten Stücken vertreten.
Zu den wichtigsten Beständen zählen rund 102.000 griechische und etwa 50.000 römische Münzen aus der Antike. Ergänzt wird die Sammlung durch etwa 160.000 europäische Münzen aus Mittelalter und Neuzeit sowie rund 35.000 islamisch-orientalische Prägungen. Aus der im 15. Jahrhundert aufkommenden Kunstform der Medaille besitzt das Münzkabinett zudem rund 25.000 Exemplare. Ein Teil der Sammlung ist online archiviert und kann von Interessierten online betrachtet werden.
Neben Münzen und Medaillen umfasst die Sammlung auch Papiergeld, historische Siegel aus der Zeit seit dem Mittelalter sowie verschiedene Geldformen außereuropäischer Kulturen. Außerdem gehören mehr als 15.000 Münzwerkzeuge dazu, darunter über 12.000 Prägestempel für Münzen und Medaillen, die seit dem 17. Jahrhundert in Berlin hergestellt wurden. Eine umfangreiche Sammlung von Abgüssen ergänzt den Bestand.
Berühmte Exponate des Münzkabinetts:
Diese Münze aus der antiken griechischen Stadt Kyzikos ist über 2.500 Jahre alt.
Quelle: Münzkabinett der Staatlichen Museen, 18200107, Foto: Lutz-Jürgen Lübke (Lübke und Wiedemann)
Abbildung Friedrich II., König von Sizilien, seit 1212 deutscher König, nach 1220 Kaiser, die Münze aus Sizilien datiert zwischen 1231 und 1250.
Quelle: Münzkabinett der Staatlichen Museen, 18218875, Foto: Reinhard Saczewski
Darstellung der Apokalypse auf einer Münze der Renaissance (1539) aus Sachsen.
Quelle: Münzkabinett der Staatlichen Museen, 18280232, Foto: Johannes Eberhardt
Besucherinformationen
Am
Kupfergraben, 10178 Berlin, Eingang über Monbijou-Brücke
https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/muenzkabinett/home/
2. Das British Museum in London
Mit etwa 800.000 Objekten beherbergt das Department of Coins and Medals des British Museum eine der umfangreichsten Münzsammlungen der Welt. Die Sammlung umfasst die Geschichte der Münzprägung von ihren Anfängen im 7. Jahrhundert v. Chr. bis in die Gegenwart.
Blick auf das British Museum in London mit seiner ikonischen Säulenarchitektur.
Neben Münzen gehören dazu auch verwandte Gegenstände wie Münzgewichte, Marken und Prägestempel. Außerdem bewahrt die Sammlung die nationale Kollektion von Papiergeld auf, die von chinesischen Banknoten aus dem 14. Jahrhundert bis hin zum Euro reicht. Ein weiterer bedeutender Bestandteil ist eine international renommierte Sammlung von Gedenk- und Kunstmedaillen: von der italienischen Renaissance bis zu Werken zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt.
Darüber hinaus umfasst der Bestand politische und werbliche Abzeichen vom frühen 20. Jahrhundert bis in die heutige Zeit. Regelmäßig kuratierte Sonderausstellungen widmen sich Sonderthemen und ermöglichen es, verschiedene Bereiche der umfangreichen Sammlung näher vorzustellen. Zudem übernimmt die Abteilung eine wichtige Aufgabe bei der Identifizierung und Katalogisierung von Münzfunden im Rahmen des Treasure Act von 1996: Wer in England, Wales und Nordirland einen potenziellen Schatz findet, muss dies innerhalb von 14 Tagen dem zuständigen Coroner (einem Untersuchungsbeamten) melden. Dieser prüft offiziell, ob der Fund wirklich ein Schatz ist. Wird er als Schatz anerkannt, muss der Finder den Gegenstand zuerst einem Museum zum Kauf anbieten.
Rund 650.000 Münzen aus der Sammlung können in einer Online-Datenbank recherchiert werden.
Besucherinformationen
3. Die American Numismatic Society in New York
Die American Numismatic Society, kurz ANS, ist weniger ein klassisches Ausstellungsmuseum, sondern ein hochspezialisiertes Forschungsinstitut. 1858 gegründet, widmet sich die Gesellschaft der Erforschung und Vermittlung der Numismatik. Ihre ständige Sammlung umfasst mehr als 800.000 Münzen, Geldobjekte, Medaillen und weitere verwandte Stücke, deren zeitliche Spanne bis etwa 2000 v. Chr. zurückreicht.
Foto: Shannon McGee, CC BY-SA 2.0
Ergänzt wird dieser Bestand durch eine spezialisierte Fachbibliothek mit rund 100.000 Büchern, Dokumenten und weiteren Materialien, die zu den bedeutendsten numismatischen Bibliotheken weltweit zählt. Zusammen bilden Sammlung und Bibliothek eine der größten und wichtigsten numismatischen Ressourcen weltweit. Darüber hinaus gilt die ANS als international führend bei der Entwicklung digitaler numismatischer Angebote und gehört zu den bedeutenden Herausgebern wissenschaftlicher Fachpublikationen auf diesem Gebiet, die von Mitgliedern, Fellows sowie von Forschenden und Interessierten aus aller Welt genutzt werden.
Anders als bei den vorgenannten Sammlungen besitzt die American Numismatic Society keine großen Ausstellungsflächen, sondern nur eine kleine Galerie. Sie verleiht jedoch regelmäßig Exponate an andere Museen, beispielsweise das Metropolitan Museum of Art oder das Musem of the American Revolutions.
Besucherinformationen
75 Varick Street, Floor 11, NY10013 New York
https://numismatics.org/
4. Die National Numismatic Collection des Smithsonian
Mit rund 1,6 Millionen Objekten ist die National Numismatic Collection der Smithsonian Institution die größte Münzsammlung der Vereinigten Staaten und eine der umfangreichsten weltweit. Sie vereint Münzen, Medaillen, Papiergeld und eine beeindruckende Zahl technischer Objekte wie Prägemaschinen, Matrizen und Modelle.
Ein Teil der Sammlung ist im National Museum of American History in Washington zu sehen.
Legendären Status besitzen mehrere amerikanische Raritäten, darunter der 1849 geprägte „Double Eagle“, der als Prototyp nahezu einzigartig ist, sowie die berühmten 1933 Saint-Gaudens Double Eagles. Auch frühe amerikanische Silberdollars aus dem späten 18. Jahrhundert zählen zu den Ikonen der Sammlung. Darüber hinaus beherbergt das Smithsonian einen gewaltigen Bestand an Papiergeld aus aller Welt. Die Verbindung von Geld- und Technikgeschichte macht diese Institution besonders faszinierend.
Die National Numismatic Collection des Smithsonian kann nicht wie ein normales Museum besucht werden. Ein kleiner Teil der Sammlung ist jedoch öffentlich im National Museum of American History in Washington, D.C., in Ausstellungen wie „The Value of Money“ zu sehen. Der überwiegende Teil der rund 1,6 Millionen Objekte befindet sich in Depots und ist nur Forschenden nach vorheriger Anmeldung und mit konkretem Forschungsanliegen zugänglich; ein spontaner Besuch oder allgemeines Durchstöbern der Bestände ist nicht möglich.
Eine seltene 20-Dollar-Münze aus dem Jahr 1933. Aufgrund des Goldverbots durch Präsident Roosevelt wurden fast alle 1933 geprägten Stücke eingeschmolzen.
Quelle: Smithsonian National Numismatic Collection 39166.0001
Der Goldschmied Ephraim Brasher stellte 1787 in New York die „Brasher Half Doubloon“ her. Da es damals in den USA noch keine offizielle Münzstätte gab, fertigten Privatpersonen Münzen aus eingeschmolzenem Gold. Diese „Half Doubloon“ gibt es nur noch einmal.
Quelle: Smithsonian National Numismatic Collection 68.159.1111
1652 prägte die Massachusetts Bay Colony die ersten amerikanischen Kolonialmünzen. Der „Pine Tree Shilling“ zeigt eine Kiefer. Die eigene Währung war ein Zeichen wachsender Unabhängigkeit von Großbritannien.
Quelle: Smithsonian National Numismatic Collection 1979.1263.00420, 00008
Besucherinformationen
1300 Constitution Ave NW, Washington, DC 20560
https://americanhistory.si.edu/about/departments/work-and-industry/national-numismatic-collection
5. Cabinet des Médailles in Paris
Das Cabinet des Médailles der Bibliothèque nationale de France blickt auf eine außergewöhnlich lange Tradition zurück. Seit 1660 besteht diese Sammlung nahezu ununterbrochen und geht auf königliche Bestände zurück. Mit rund 400.000 Objekten gehört sie zu den ältesten kontinuierlich gewachsenen Münzsammlungen Europas.
Ihre antiken griechischen und römischen Bestände genießen internationales Ansehen. Besonders die gallisch-römischen Münzfunde sind für die Erforschung der französischen Frühgeschichte von zentraler Bedeutung. Hinzu kommt eine reiche Sammlung mittelalterlicher französischer Prägungen, die den politischen Wandel vom Feudalstaat zur Zentralmonarchie widerspiegeln. Eine Besonderheit des Cabinet des Médailles ist die enge Verbindung von Münzen, Medaillen und antiken Gemmen, wodurch sich kunsthistorische und numismatische Perspektiven eindrucksvoll ergänzen.
Die Sammlung ist grundsätzlich öffentlich zugänglich, allerdings nicht mehr als eigenständiges „Numismatik-Museum“, sondern als Teil des Museums der Bibliothèque nationale de France (BnF) am Standort Richelieu.
Ein Teil der Sammlung wird dort in den Museumsräumen ausgestellt, zusammen mit anderen kostbaren Objekten wie Manuskripten oder Kunstwerken. Insgesamt sind etwa 900 ausgewählte Stücke aus den umfangreichen Beständen zu sehen; die empfindlichsten Objekte werden regelmäßig ausgetauscht.
Dieses Goldmultipel ist eine besonders große und wertvolle römische Goldmünze, sie wurde im Jahr 320 n. Chr. in der Münzstätte von Nikomedia geprägt und zeigt die Kaiser Licinius I und seinen Sohn Licinius II.
Quelle: BnF, dpt. Monnaies, médailles et antiques
Diese eindrucksvolle Medaille aus vergoldeter Bronze gehört zu den bedeutenden Werken der französischen Renaissance-Medaillenkunst. Sie zeigt das Porträt des französischen Kardinals René de Birague und wird auf etwa 1576 datiert.
Quelle: BnF, dpt. Monnaies, médailles et antiques
Diese Silber-Tetradrachme gehört zu den charakteristischen Prägungen der ionischen Stadt Klazomenai im 4. Jahrhundert v. Chr. und ist ein hervorragendes Beispiel für die griechische Münzkunst der klassischen Zeit.
Quelle: BnF, dpt. Monnaies, médailles et antiques
Besucherinformationen
5, rue Vivienne, 75002 Parishttps://www.bnf.fr/fr/departement-monnaies-medailles-antiques
6. Das Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums Wien
Das Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums Wien umfasst rund 600.000 Objekte und ist eng mit der Sammelleidenschaft der Habsburger verbunden. Über Generationen hinweg trugen die Herrscher des Hauses bedeutende Münzen und Medaillen zusammen, sodass Wien heute zu den wichtigsten numismatischen Zentren des deutschsprachigen Raums zählt.
Das Kunsthistorische Museum in Wien.
Besonders eindrucksvoll sind die Serien von Talern und Dukaten sowie die Reichsbullionprägungen des Heiligen Römischen Reiches. Gleichzeitig verfügt die Sammlung über bedeutende antike Bestände und eine umfangreiche Kollektion europäischer Orden und Medaillen. Zahlreiche spektakuläre Einzelfunde aus Mitteleuropa ergänzen das Bild. Das Wiener Münzkabinett ist damit nicht nur eine Schatzkammer der Habsburger Geschichte, sondern ein Panorama europäischer Geldentwicklung.
Die Ausstellung verteilt sich auf drei Säle: Der erste vermittelt einen umfassenden Einblick in die Entstehung und Entwicklung der Medaille – von ihren Ursprüngen um 1400 in Italien bis hin ins 20. Jahrhundert. Ergänzend dazu werden dort auch österreichische sowie europäische Auszeichnungen gezeigt. Im zweiten Saal liegt der Fokus ganz auf der Geschichte von Münz- und Papiergeld: Die Darstellung reicht von vor-monetären Tauschformen und sogenanntem Naturalgeld über die Einführung der Münzprägung im 7. Jahrhundert v. Chr. bis in die heutige Zeit. Der dritte und letzte Saal wird als Raum für wechselnde Sonderausstellungen genutzt.
Nicht zuletzt wird im Wiener Münzkabinett auch regelmäßig Forschung betrieben. Zahlreiche naturwissenschaftliche und numismatische Forschungsprojekte widmen sich speziellen Themen, beispielsweise der Röntgenanalyse alter Funde oder der Untersuchung von Prägetechniken und Legierungen.
Besucherinformationen
Marie-Theresien-Platz, A-1010 Wienhttps://www.khm.at/besuch
So unterschiedlich diese sechs Sammlungen auch sind – sie alle machen deutlich, dass Münzen weit mehr sind als bloße Zahlungsmittel. Sie verbinden Vergangenheit und Gegenwart auf einzigartige Weise. Während frühe Sammler oft aus Gründen der Repräsentation oder aus persönlicher Leidenschaft heraus sammelten, stehen heute immer mehr wissenschaftliche Erschließung, digitale Zugänglichkeit und internationale Vernetzung im Vordergrund. Die „Big Six“ der Numismatik zeigen damit eindrucksvoll, wie sich der Blick auf Geld gewandelt hat – vom Umlaufmittel zum kulturellen Gedächtnis. Und vielleicht liegt genau darin ihre anhaltende Faszination: Dass diese kleinen Metallstücke bis heute Geschichten erzählen, die nichts von ihrer Bedeutung verloren haben.
Entdecken auch Sie die Vielfalt der Sammler- und Gedenkmünzen, die die Münze Deutschland anzubieten hat.
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